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Serie: „S4F-Saarland Expertenantwort“ Saarbrücker-Zeitung vom 13.8.2021

Ist die Sonne am Klimawandel schuld?

Zwar sagen alle Klima-Wissenschaftler der Welt etwas anderes. Trotzdem behaupten manche Politiker, dass nicht der Mensch, sondern die Sonne Schuld am Klimawandel ist. Was ist dran an dieser Behauptung?

Manche behaupten, der Mensch habe keinen Einfluss auf die globale Erwärmung – eigentlich sei die Sonne Schuld. Stimmt das?

S4F: “Die Sonne wärmt unseren Planeten, mit etwa 1400 Watt pro Quadratmeter (W/m2) im jahreszeitlichen Mittel [1]. Diese Einstrahlung auf die Erde schwankt jedoch über längere Zeiträume und führte in den letzten Millionen Jahren zu den großen Eis- und Warmzeiten.

Die Ursache der Temperaturschwankungen sind Änderungen in den sogenannten Erdbahnelementen: Die Distanz zwischen Erde und Sonne schwankt aufgrund des Einflusses der Anziehungskraft der umliegenden Planeten. Das beeinflusst erstens die Form der Umlaufbahn der Erde um die Sonne: Die Abweichung von der Kreisbahn schwankt zwischen 0,5 bis 6 Prozent und verursacht einen Kalt-Warmzeit-Zyklus von etwa 100 000 Jahren. Zweitens schwankt die Neigung der Erdachse zwischen 22 und 24,5 Grad mit einem Zyklus von 40 000 Jahren. Drittens rotiert die Erdachse – ähnlich wie ein Kreisel – alle 20 000 Jahre um den Pol (Präzession) [2].

Diese Faktoren spielen heute und in den nächsten Tausenden von Jahren jedoch keine Rolle für unser Klima. Die Anzahl der Sonnenflecken können dagegen für eine kurzeitige, vorübergehende Erwärmung oder Abkühlung sorgen. Diese treten etwa alle elf Jahre vermehrt auf [3]. Die Flecken sind ein Kennzeichen erhöhter Sonnenaktivität und können zu 5 W/m² [1] Erwärmung führen. Ausnahmen, die einige Jahrzehnte bis 100 Jahre dauerten und in denen die Sonne keine Flecken zeigte, führten zu kühlen Perioden (beispielsweise während der „Kleinen Eiszeit“ im 16. Jahrhundert) [4]. Starke Fleckenbildung führte zu wärmeren Zeiten (etwa die mittelalterliche Warmzeit um 1100 bis 1200, wo Grönland von den Wikingern besiedelt wurde).

Seit etwa 1960, als die Anzahl der Sonnenflecken ein Maximum aufwies, geht jedoch die von der Sonne kommende Energie leicht zurück. Die globale Temperatur auf der Erde steigt dennoch an [5]. Dies ist ein klarer Hinweis darauf, dass nicht die Sonne für den Klimawandel verantwortlich ist. “

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Quellen:

[1] G. Kop and J.L. Lean,. A new, lower value of total solar irradiance: Evidence and climate significance. Geophysical Research Letters 38, L01706 (2011), https://doi.org/10.1029/2010GL045777

[2] W.F. Ruddiman, Earth’s climate, past and future. W.H.Freeman and Co New York, 2001

[3] I.G. Usoskin, A History of solar activity over millennia, Living Rev. Sol. Phys. 14, 3 (2017), https://doi.org/10.1007/s41116-017-0006-9, Diagramme auch bei Wikipedia: https://de.wikipedia.org/wiki/Sonnenaktivit%C3%A4t (zuletzt abgerufen am 11.08.2021)

[4] G. Feulner, S. Rahmstorf: On the effect of a new grand minimum of solar activity on the future climate on Earth. In: Geophysical Research Letters. März 2010, doi:10.1029/2010GL042710