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Serie: „S4F-Saarland Expertenantwort“ Saarbrücker-Zeitung vom 20.8.2021

Kann uns die nächste Eiszeit retten?

In einigen tausend Jahren steht auf der Erde die nächste Eiszeit an. Gerade rechtzeitig, um uns vor der globalen Erwärmung zu retten? Leider nicht, sagen unsere Experten.


Auch ohne menschlichen Einfluss schwankt die Temperatur auf unserem Planeten. Könnte die nächste Eiszeit uns vielleicht vor der globalen Erwärmung retten?

S4F: „Warm-und Kaltzeiten (auch Eiszeiten genannt) gibt es seit 800 000 Jahren. Ein Wechsel erfolgt etwa alle 100 000 Jahre. Diese Zyklen entstehen, weil der Abstand der Erde zur Sonne durch verschiedene Faktoren regelmäßig schwankt. Dadurch erreicht mal mehr, mal weniger Wärme unseren Planeten.[1]

Die vorletzte Eiszeit endete vor etwa 120 000 Jahren, gefolgt von einer großen Warmzeit, die langsam in die letzte Eiszeit überging, welche vor etwa 20 000 Jahre endete. Es folgte eine rasche Erwärmung, bis vor etwa 10 000 Jahren die heutige Warmzeit begann [2]. Die weitere Entwicklung lässt sich aus den vergangenen Zyklen ungefähr errechnen: Demnach sollte es in etwa 30 000 Jahren wieder kühler werden und in etwa 80 000 Jahren das Maximum der nächsten Eiszeit erreicht sein.

Aber diese Prognose wird vermutlich nicht eintreten, denn: Der Mensch hat das Klima so aufgeheizt, dass dieser 100 000-Jahre-Zyklus wohl zerstört wurde. Der Gehalt an Kohlendioxid (CO2) in der Atmosphäre betrug in allen Kaltzeiten 180 ppm („parts per million“, deutsch „Anteile pro Million“), in allen Warmzeiten 290 ppm [1]. Durch die Verbrennung fossiler Brennstoffe (sowie weiterer Gase) ist der CO2-Gehalt inzwischen auf aktuell etwa 410 ppm gestiegen. [3]

Wenn der Mensch es nicht schafft, das CO2 direkt aus der Atmosphäre zu entfernen (es gibt einige technische Methoden, die aber derzeit und auch in naher Zukunft noch keine signifikanten Mengen binden können), wird der Treibhauseffekt weiter zunehmen. Durch die daraus folgende globale Erwärmung wird die nächste Eiszeit in 80 000 Jahren wohl ausfallen. Wenn dann noch ein Homo sapiens lebt, wird er wohl keine wärmende Kleidung brauchen.“

Quellen:

[1] W.F.Ruddiman. Earth’s climate, past and future. W.H.Freeman and Co New York, 2001

[2] U. Siegenthaler et al., Stable Carbon Cycle-Climate Relationship during the late pleistocene, Science 310, 1313 (2005)

[3] Report des Weltklimarats IPCC, 2021: Summary for Policymakers. In: Climate Change 2021: The Physical Science Basis. Contribution of Working Group I to the Sixth Assessment Report of the Intergovernmental Panel on Climate Change [Masson-Delmotte, V., P. Zhai, A. Pirani, S. L. Connors, C. Péan, S. Berger, N. Caud, Y. Chen, L. Goldfarb, M. I. Gomis, M. Huang, K. Leitzell, E. Lonnoy, J.B.R. Matthews, T. K. Maycock, T. Waterfield, O. Yelekçi, R. Yu and B. Zhou (eds.)]. Cambridge University Press. In Press. (August 2021). Aussage A.1.1.